
Großer Bäckereien-Check: Welche Eier werden für Osterpinze und Co. verwendet?
VIER PFOTEN und AK Oberösterreich: Bodenhaltung die am meisten verbreitete Haltungsform
Wien – Ein großer Teil der in Österreichs Bäckereien verwendeten Eier stammt aus Bodenhaltung – das ist das Fazit des Bäckereien-Checks, den VIER PFOTEN gemeinsam mit dem Konsumentenschutz der AK Oberösterreich durchgeführt hat. Insgesamt wurden 60 Bäckereien angefragt, 17 davon haben nicht geantwortet, darunter auch große Unternehmen wie BackWerk und Resch & Frisch1. Damit ist die Herkunft der Eier unbekannt, und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie importierte Käfigeier verwenden. Denn täglich (!) werden Schätzungen der Geflügelwirtschaft Österreich zufolge rund eine Million Eier, großteils aus EU-Ländern, eingeführt, wo rund 40 Prozent der Hühner noch in so genannten ausgestalteten Käfigen leben.
Die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, sowohl österreichische als auch Eier aus dem EU-Ausland zu beziehen, die andere Hälfte verarbeitet nur Eier aus Österreich.
Einige Bäckereien fallen positiv auf: So verwenden die Bäckerei Öfferl, die Bäckerei Taumberger, Joseph Brot, Brotsüchtig, die Bäckerei Bauer und die Vollkornbäckerei Waldherr ausschließlich Eier aus Bio-Freilandhaltung.
„Oft verwenden die Unternehmen, wenn sie gleichzeitig Cafés oder Restaurants betreiben, für das Frühstücks-Angebot Eier aus Bio-Freilandhaltung oder Freilandhaltung; in den Backstuben sind es dann meist aber doch nur die Bodenhaltungs-Eier. Verarbeitete Eier kann man natürlich leichter „verstecken“ – vor allem, weil es leider keine Pflicht zur Kennzeichnung nach Haltungsform und Herkunft gibt, weder in verarbeiteten Produkten noch generell in der Gastronomie“, meint Weissenböck.
Auch die Selbstbedienungs-Backshops der Supermärkte wurden von VIER PFOTEN und dem Konsumentenschutz der AK OÖ unter die Lupe genommen. Positiv hervorzuheben ist hier MPREIS: Das Unternehmen verwendet ausschließlich Eier aus österreichischer Freilandhaltung bzw. für sein Bio-Sortiment Eier aus Bio-Freilandhaltung. Alle anderen Lebensmittel-Einzelhändler bieten sowohl Bodenhaltungs- als auch Freilandeier an; Spar und die REWE Group (Billa, Billa Plus, Penny, Adeg) haben auch Bio-Freilandeier in ihrem Bio-Angebot. Allerdings haben letztere keine Nachweise dafür erbracht.
Die Bodenhaltung bleibt also in Österreich die am meisten verbreitete Haltungsform.

Der Grund, warum noch immer so viele landwirtschaftliche Betriebe auf die Bodenhaltung setzen, ist natürlich die Wirtschaftlichkeit: Je mehr Hühner pro Quadratmeter gehalten werden können und je weniger auf die Bedürfnisse der Tiere Rücksicht genommen werden muss, desto billiger wird die Produktion. „Wir sehen zwar erfreulicherweise, dass immer weniger Konsument:innen Tierleid hinnehmen wollen. Klar ist aber auch, dass mehr Tierwohl auch einen höheren Preis bedeutet. Die Kund:innen können hier einen Unterschied machen: Denn nur, wenn Produkte aus besserer Haltung auch gekauft werden, werden die Unternehmen sie in ihrem Sortiment führen. Auch deshalb wäre eine transparente Kennzeichnungspflicht nach Haltungsform so wichtig“, sagt Weissenböck.
Zusatzinformation: Haltungsformen
- Konventionelle Käfighaltung: Einem Huhn steht eine Fläche von 550 cm² zur Verfügung – das entspricht einer Fläche von weniger als einem A4 Blatt. Die Haltung ist in der EU seit 2012 verboten, in anderen Ländern aber noch verbreitet.
- Ausgestaltete Käfighaltung: Hier hat jedes Huhn 750 cm² Platz, also knapp die Fläche eines Bierdeckels mehr. Im Käfig gibt es Legenester, Sitzstangen und eine Scharrfläche; aufgrund der extremen Enge können die Tiere aber ihre Grundbedürfnisse kaum befriedigen. Diese Haltung ist in Österreich seit 2020 verboten.
- Bodenhaltung: Bei der Bodenhaltung leben neun Hennen pro Quadratmeter in riesigen Hallen. Bis zu 24.000 Tiere drängen sich in einem solchen Stall. Verhaltensweisen wie Futtersuche, Scharren, Kratzen und Picken können nur bedingt ausgeübt werden. Dies und weitere Faktoren führen zu Verhaltensstörungen und hohem Stress bei den Tieren.
- Freilandhaltung: Bei der Freilandhaltung steht den Hühnern tagsüber ein Auslauf von mindestens 8 Quadratmetern pro Tier zur Verfügung (Ausnahme: 4 Quadratmeter bei einer sogenannten Biodiversitätsweide). Die Bedingungen im Stall entsprechen jenen der Bodenhaltung.
- Biofreilandhaltung: Bei der Biohaltung hat jedes Huhn mindestens 84 Quadratmeter Auslauf, und im Stall dürfen maximal 6 Tiere pro Quadratmeter und maximal 3.000 Hennen leben. In der Biofreilandhaltung werden männliche Küken von Legehennen nicht unmittelbar nach dem Schlupf getötet, sondern für die Fleischproduktion gemästet.
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