
Markersignale im Tiertraining
Effektives Training durch positive Verstärkung gewünschter Verhaltensweisen
Beim Markertraining wird einem Tier durch ein – meist akustisches Signal (dem sogenannten Marker) - gezeigt, dass es sich in einem bestimmten Moment richtig verhält. Das Signal kündigt darüber hinaus eine Belohnung an. Ein häufig verwendetes Markersignal ist ein «Klick»-Laut, der durch Drücken eines kleinen Handgeräts erzeugt wird, was als «Clicker” bekannt ist. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, mit der Zunge zu schnalzen oder eine Pfeife (wie meist im Zootiertraining) zu verwenden. Ein Markerwort (ein kurzes Wort, das im Alltag wenig genutzt wird wie z. B. «klick», «yes», «top») ist ebenfalls eine Option.
Diese klare und unmissverständliche Form der Kommunikation – bei korrekter Ausführung - ist eine effektive und tiergerechte Art, einem Tier jegliches Verhalten anzutrainieren, zu dem es körperlich und geistig in der Lage ist. Sie ist in vielen Bereichen des Tiertrainings einsetzbar: von täglichem Training, Gehorsamsübungen/ -prüfungen über das Erlernen von Tricks und Beschäftigungs-/ Bewegungsübungen bis hin zur Arbeit an unerwünschten Verhaltensweisen, welche im Alltag Probleme bereiten können.
- Wie funktionieren Markersignale?
- Was ist beim Training mit Markersignalen zu beachten?
- Warum sind Markersignale so effektiv?
- Warum reicht es nicht, einfach nur ein Leckerli zu geben?
- Was ist bei der Verwendung eines Markerwortes zu beachten?
- Werden sowohl Markersignal als auch Leckerli für jedes Verhalten benötigt?
Wie funktionieren Markersignale?
Damit das zu trainierende Tier überhaupt etwas mit einem Markersignal anfangen kann, muss es erst eine Verbindung zwischen dem Marker, der ein bestimmtes Verhalten markieren soll, und der positiven Verstärkung, der angekündigten Belohnung, verstehen. Dazu muss es zunächst auf den Marker konditioniert werden. Dazu erhält es nach jedem Marker eine Belohnung wie ein Leckerli, wenn das z. B. für den Hund die grösste Belohnung ist. Wird dieser Vorgang ein paarmal wiederholt, verknüpft das Tier mit dem Markersignal etwas Positives.
Anschliessend kann man nun den gewählten Marker (Klick, Pfiff, Wort etc.) aktiv einsetzen, um gewünschtes Verhalten zu markieren und direkt zu belohnen. Dadurch wird es beim Hund positiv verstärkt; in der Folge wird er das gewünschte Verhalten öfter zeigen. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen:
- Man kann Verhaltensweisen «einfangen», das heisst man markiert das gewünschte Verhalten, während es gezeigt wird. Als Beispiel: Der Hund liegt bereits -obwohl er sich sonst schwer damit tut, sich hinzulegen- und man klickt und belohnt ihn daraufhin.
- Alternativ bittet man den Hund, sich hinzusetzen und markiert in dem Moment, wo der Po den Boden berührt.
- Eine weitere Möglichkeit: Man formt ein Verhalten (sog. «Shaping»), in dem man in kleinen Schritten schon erste, dem Zielverhalten annähernde Verhaltensweisen markiert und belohnt.
Rasch, manchmal schon nach zwei oder drei Wiederholungen, wird das Tier die Verbindung zwischen dem Signal und der Belohnung wahrnehmen. Da es die angenehme Erfahrung (und positive Verstärkung bestimmter Verhaltensweisen) wiederholen möchte, wird es das vom Menschen gewünschte Verhalten öfter wiederholen.
Was man sich gut dabei merken kann: Ein Markersignal ist wie das präzise fotografische Festhalten eines Verhaltens, das man verfestigen beziehungsweise verstärken möchte. Nachdem das «Bild aufgenommen» worden ist, wird es mit Hilfe von einer Belohnung verfestigt. Somit können Markersignale vielseitig eingesetzt werden.
Was ist beim Training mit Markersignalen zu beachten?
Es ist wichtig, dem Hund eine Vorstellung davon zu vermitteln, was man von ihm möchte. Bei Hunden, die möglicherweise weniger kreativ oder nicht gewohnt sind, eigenständig verschiedene Verhaltensweisen anzubieten, kann es sonst zu Frustration führen oder den Trainingsfortschritt verlangsamen. Hier hilft es, dem Hund durch anfängliches Locken mit Futter oder (einladende) Handbewegungen eine Idee bzw. klarere Anleitung von dem zu geben, was von ihm erwartet wird. Es ist für alle Hunde einfacher und effektiver, in kleinen Schritten vorzugehen, sie aktiv am Erfolg lernen zu lassen und so zum gewünschten Zielverhalten zu führen.
Achtung: Bei manchen, sehr aktiven Hunden oder sehr schnell lernenden, kooperativen Rassen wie z. B. dem Border Collie, die sich schnell enthusiastisch aufregen oder gar in Ektase geraten, muss man das Clickertraining dosiert einsetzen – hier ist oft weniger mehr.
Im Hundetraining kann man sich zum Beispiel bei den Themen Leinenaggression oder übersteigertes Bellverhalten sehr gut darauf konzentrieren, dass man den Hund bereits dann klickert/markiert und belohnt, wenn er noch ruhig ist. Das heisst man verstärkt bereits das gewünschte Verhalten - also das ruhige - bevor der Hund das unerwünschte zeigt, wie an der Leine zerren, losstürzen oder bellen.
Wichtig zu wissen
Im positiven Hundetraining wird nicht nach Fehlverhalten gesucht oder darauf gewartet, dass der Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt, um ihn dann zu korrigieren. Hier wird bereits dort angesetzt, wo das Tier noch das erwünschte Verhalten zeigt, um dieses zu belohnen und somit zu verstärken. Auf diese Weise können auch verschiedene Verhaltensauffälligkeiten angegangen und nachhaltig verändert werden. Der Hund lernt also proaktiv das Richtige zu tun.
Warum sind Markersignale so effektiv?
Markersignale bedienen sich zunächst der klassischen Konditionierung: Jedes Mal folgt unmittelbar auf den «Marker» (Klick-/ Wortsignal etc.) z. B. das Futter. Das Futter ist in diesem Fall ein primärer Verstärker und etwas, das der Hund oder die Katze etc. gerne haben möchte. Das Tier verbindet nach mehreren Wiederholungen den Marker automatisch mit etwas Angenehmen. Sobald das Tier später zielgerichtet Handlungen, zum Beispiel gewünschte Verhaltensweisen, wiederholt, um ein Markersignal oder besser die damit verbundene Belohnung zu erhalten, setzt die operante Konditionierung ein. Das Markersignal ist demnach ein sekundärer Verstärker bzw. Brückensignal, dass das gewünschte Verhalten gezielt markiert und die angenehme Belohnung ankündigt (als Überbrückung).
Der grosse Vorteil der operanten Konditionierung zeigt sich schon jetzt: Das Tier reagiert nicht einfach nur, sondern es agiert; es wird aktiv und setzt bewusst Handlungsschritte ein. Da das Training mit Markersignalen sich ausschliesslich positiver Verstärkungen bedient, wird das Tier zu einem proaktiven, freudigen Partner im Training. Zudem konzentriert sich der Mensch mehr auf das Positive, also das, was schon an gewünschten Verhaltensweisen vom Tier gezeigt wird, anstatt nur auf mögliche Fehler zu reagieren.
Beim Training mithilfe positiver Verstärkung hat das Tier Spass am Lernen und ist motiviert, weil es die Belohnung anstrebt und am Erfolg lernt und nicht um einer Bestrafung zu entgehen.
Warum reicht es nicht, einfach nur ein Leckerli zu geben?
Das Markersignal ermöglicht es, ein Verhalten punktgenau einzufangen und zu markieren - der Griff zur Leckerlitasche kann niemals so zeitgenau und präzise erfolgen wie die Bestätigung durch das Markersignal. Das Markersignal gibt den trainierenden Personen jedoch Zeit, noch zur Leckerlitasche zu greifen. Idealerweise erfolgt die Belohnung nach getätigtem Signal innerhalb von etwa 2 Sekunden - daher ist es wichtig, die Leckerlies griffbereit zu haben.
Was ist bei der Verwendung eines Markerwortes zu beachten?
Damit das Tier das Markerwort aus einer Vielzahl von Worten klar erkennen kann, ist es wichtig, ein prägnantes, kurzes und im Alltag unübliches Wort zu wählen. Ausserdem: Die menschliche Stimme passt sich oft den Emotionen an – je nach Stimmung des Halters oder der Halterin kann selbst ein Lob akustisch wie eine Bestrafung klingen oder die Unzufriedenheit kann unterschwellig mitschwingen. Deshalb sollte man darauf achten, das gewählte Markerwort immer in einer möglichst konstanten Stimmlage auszusprechen.
Werden sowohl Markersignal als auch Leckerli für jedes Verhalten benötigt?
Wenn das Tier das Markersignal und die entsprechende Belohnung als motivierend und angenehm empfindet, kann dies besonders in der Anfangsphase des Trainings effektiv sein, um gewünschte Verhaltensweisen oder zum Beispiel neue Alltagsübungen/ -routinen etc. zu etablieren. Sobald ein erwünschtes Verhalten oft genug wiederholt wurde und gefestigt ist, kann man die Häufigkeit der Belohnung variieren, indem man nur noch gelegentlich die besten Wiederholungen markiert und belohnt oder ganz darauf verzichtet; es sollte aber bestenfalls ein fliessender Übergang sein und individuell angepasst - abhängig von der Frustrationstoleranz des Hundes. Im Allgemeinen empfiehlt es sich nach einer gewissen Trainingszeit, in unregelmässigen Abständen oder nur bei besonders guten Ausführungen des Verhaltens zu clicken/markern, um die Motivation aufrechtzuerhalten, anstatt den Wert der Belohnung (die Attraktivität der Belohnung aus Sicht des Hundes, z.B. weniger geschmackvolle Leckerlies oder Lob statt Leckerlies) zu reduzieren.
VIER PFOTEN empfiehlt:
Nach einem Markersignal muss immer eine Belohnung folgen. Wenn das nicht passiert, kann dies zur Löschung der Verknüpfung zwischen Markersignal und Belohnung führen.
Einem Tier kann jedes ihm mögliche Verhalten nach diesen einfachen drei Schritten antrainiert werden:
- Das Tier zeigt das gewünschte Verhalten
- Es erfolgt gleichzeitig das Markersignal (klicken mit dem Clicker, ausgewählten Wortsignal wie »yes”, »top” etc.)
- Anschliessend (möglichst zeitnah nach max. 2 – 3 Sekunden) Belohnung durch ein Leckerli, eine Schleckpaste, ein Spiel etc. (positive Verstärkung)
Mehr zum «Clickertraining»
Die von der US-amerikanischen Tiertrainerin Karen Pryor entwickelte Trainingsmethode kann und ist schon erfolgreich bei Tieren jeglicher Grösse und Spezies angewandt worden, egal ob domestiziert oder wild, jung oder alt: Hunde, Katzen, Vögel, Leoparden, Ratten, Kaninchen, Chinchillas, Meerschweinchen, Fische, Löwen, einigen Tigern in den Grosskatzenschutzzentren wie FELIDA und viele mehr. Karen Pyor hat Markertraining beispielsweise in ihrer Arbeit mit Delfinen genutzt. Bei dem Training mit Meerestieren wird oft eine Pfeife als Markersignal benutzt, um die Hände freizuhaben.
Der Vorteil eines Clickers gegenüber Wortsignalen ist jener, dass dieses Gerät ein einzigartiges und eindeutiges Signal mit hohem Wiedererkennungswert erzeugt. Er ist im Gegensatz zu Wortsignalen in seiner Akustik, seinem Klang und in seiner Bedeutung immer gleich und stimmungsunabhängig. Der Nachteil ist, dass er mit der Hand bedient werden muss. Man kann ihn aber mithilfe eines Bändchens am Handgelenk befestigen, welches die Handhabung erleichtert. Mittlerweile gibt es Clicker, die man auf einen Finger stecken kann, wie einen Ring.
VIER PFOTEN setzt das Clickertraining in seinen BÄRENWÄLDERN ein, unter anderem im BÄRENWALD Müritz (Deutschland), BÄRENWALD Domazhyr (Ukraine) und BÄRENWALD Prishtina (Kosovo). Ziel des Clickertrainings ist hier vor allem, mit den Tieren zu «kommunizieren» und kooperative Verhaltensweisen mit den Bären zu trainieren, was wichtig ist z. B. für die Verabreichung von Medikamenten oder die Untersuchung des Gebisses. Es hilft dabei, Vertrauen zwischen beiden Seiten aufzubauen und so eine Beziehung zwischen dem Tier und dessen Pfleger:innen zu schaffen. Der tägliche Umgang miteinander, aber auch notwendige medizinische Behandlungen werden so für beide Seiten deutlich stressärmer.
Das Clickertraining wird aber auch zur Beschäftigung und mentalen Stimulation (zur Angst- und Stressreduktion) der Tiere eingesetzt, um deren physisches und psychisches Wohlbefinden zu steigern.
Fazit
Das Training mit Markersignalen, wie etwa einem Clicker, stellt eine positive und bedürfnisorientierte Trainingsmethode dar. Der Verzicht auf jegliche Bestrafung und jeglichen Zwang ermöglicht selbst scheuen und ängstlichen Tieren ein Lernen, welches von Freude und Begeisterung geprägt ist. Das Tier gewinnt nicht nur an Selbstvertrauen, sondern lernt auch schnell und effektiv unterschiedlichste, gewünschte Verhaltensformen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil: Durch das Training mittels positiver Verstärkung werden die Bindung und das Vertrauen zwischen Tierhalter:in, Pfleger:in, Trainer:in und Tier gestärkt und intensiviert.
